Kirche

 

Die evangelische Kirche zu Desloch

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Die Deslocher Kirche liegt, nach Norden ausgerichtet, etwas verborgen linker Hand an der Hauptstraße nach Jeckenbach zu.

Kurz vor dem ehemaligen Schulhaus erreicht man über eine Treppe, unter zwei alten Lindenbäumen hindurch, den Eingang zum Kirchhof.

Dieser Kirchhof ist in früheren Jahren der Deslocher Friedhof gewesen und wurde nach 1833, als ein neuer Friedhof am nordöstlichen Ortsrand angelegt wurde, als Turnplatz und Schulhof der benachbarten Schule genutzt.

Schon in vorreformatorischer Zeit wird eine Kapelle zu Desloch erwähnt, die zur Pfarrei Meisenheim gehörte und von den dortigen Johannitern einmal wöchentlich mit einer Wochenmesse versorgt wurde. Außerdem gehörte den Johannitern ein Hof in Desloch, auf den wohl noch die heutige mündliche Bezeichnung „Im Kloster“ für das Gässchen unweit der Kirche gegenüber der Einmündung Neuwieserstrasse in die Hauptstraße hindeutet.

Beim Kellerbau des benachbarten Anwesens Buß ist man auf alte Mauerreste gestoßen.

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Über die ehemalige Kirche, die 1663 renoviert und 1747 abgerissen wurde, unterrichtet ein Plan aus dem Jahr des Abrisses. Ein rechteckiger zweischiffiger Bau in Ost- West- Richtung mit einem dreiseitigen Chor am östlichen Ende des nördlichen Schiffes und einem daran angelehnten quadratischen Turm am östlichen Ende des südlichen Schiffes.

Der Inschrift über dem Portal können wir entnehmen, dass die heutige Kirche im Jahr 1751 fertiggestellt wurde. Tatkräftig  durch Hand- und Spanndienste dazu beigetragen haben die reformierten Gemeindeglieder. Die finanziellen Mittel stammten aus dem für Reformierte und Lutheraner zuständigen Meisenheimer Kirchenschaffneifonds, worin auch die Ursache dafür liegt, dass die reformierte Kirche in Desloch fortan bis zur Union* 1834 als Simultaneum* beiden evangelischen Konfessionen diente. Darauf deuten auch Abendmahlskanne und Taufkännchen aus Zinn hin, die beide die Inschrift „EV. LUTH. DL. 1824“ tragen.

Die Kirche ist ein einfacher, nach Norden in einen dreiseitigen Chor auslaufender Bau, an den sich nach Süden der massige, 1857 erhöhte Turm anschließt, der möglicherweise im Untergeschoss auf einen mittelalterlichen Wehrturm zurückgeht.

Wer die Kirche durch den Eingang auf der Ostseite betritt, wird überrascht und beeindruckt von der unerwartet reichen künstlerischen Gestaltung der Fenster und Bildtafeln im Innenraum.

Seit der Innenrenovierung 1959 hat sich das Innere der Kirche in drei Schritten bedeutend verändert.

Die ehemalige Ostempore wurde beseitigt, was den Innenraum der Kirche nicht unwesentlich vergrößerte. Der gesamte Chorraum wurde neu gestaltet.

Altar, Taufstein, die aus dem 18. Jahrhundert stammende Kanzel, sowie der geschnitzte Pfarrstuhl, den wir uns ähnlich wie in der Staudernheimer evangelischen Kirche vorstellen müssen, und die Presbyterbank hinter dem Altar im Angesicht der Gemeinde, fielen den Renovierungsarbeiten zum Opfer.

Die jetzige Ausstattung mit einer kleinen Kanzel auf einem Sandsteinpodest, einem schlichten Altartisch und einem Taufschalenständer mit Messingdeckel, alles in Holz gehalten, mutet bescheiden an.

Gleiches gilt für das schlichte Orgelpositiv der Firma Oberlinger, das in den 60-er Jahren die imposante aber leider unbrauchbar gewordene Orgel ersetzte.

 

Die Werke des Malers Vilmo Gibello in der Deslocher Kirche

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Die schlichte und kühl erscheinende Innenausstattung der Deslocher Kirche regte Ende der 70er Jahre den damaligen Pfarrer der Gemeinde (Manfred Herzhoff) an, Kontakt zu einem alten Freund aufzunehmen, einem aus Italien stammenden und in England lebenden Maler namens Vilmo Gibello.

Vilmo Gibello, am 23. November 1916 in Occhieppo Superiore (Norditalien) geboren, trägt die Liebe Gottes in sich. Das spürt man, wenn man dem Künstler begegnet.  Diese Liebe zu Gott mag wohl die Ursache dafür gewesen sein, dass sich Vilmo Gibello während einer Reise durch Sibirien, bei der der Künstler viele zerstörte Kirchen sah, dazu entschloss, zum Lobe Gottes eine Kirche künstlerisch auszugestalten.

Pfarrer Manfred Herzhoff sah in der evangelischen Kirche Desloch den Raum, den Vilmo Gibello für seine Arbeit suchte und stellte die Verbindung zwischen dem Künstler und der Gemeinde her.

Nach einer Besichtigung der Deslocher Kirche fertigte der Künstler die Bilder in England an. Mit einem Gemeindebus wurden die Werke sodann nach Desloch transportiert, wo sie gerahmt und platziert wurden. Die Reihenfolge der Bildanordnung bestimmten allein optische Gesichtspunkte.

Die drei Glasfenster, die je nach Sonneneinstrahlung eine besonders eindrucksvolle Wirkung auf den Betrachter haben, entstanden in Desloch, im angrenzenden alten Schulhaus, das dem Maler während seines Aufenthaltes als Atelier und als Wohnung zur Verfügung stand.

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Vilmo Gibello wurde von den Bewohnern des Ortes herzlich aufgenommen und reihum verpflegt. Dies ist dem Künstler noch immer in guter Erinnerung. Gern gibt er kleine Anekdoten preis, wenn man sich mit ihm auf eine Zeitreise in jene Jahre zurück begibt.

Am 17. Mai 1981 wurden die „auf Holztafeln gestalteten Ölgemälde und die auf neuen  Innenfenstern entworfenen Glasmalereien – vereinigt zu einem Zyklus biblischer Motive von der Schöpfung bis zur Offenbarung, dem Ende der Welt“ in einem Gottesdienst der Gemeinde vorgestellt.

Seinen Lebensabend verlebt  der Maler in seinem Haus in der Nähe von Malaga (Andalusien) und ist trotz seines hohen Alters  noch voller Schaffenskraft. Den Erlös aus dem Verkauf seiner Bilder stellt er karitativen Einrichtungen zur Verfügung.

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